Brockengarten

Bilder vom Brocken und Gedanken zur Schierke-Arena

Gepostet am Aktualisiert am

(von Christian Reinboth)

Am Wochenende hat die CDU-Fraktion sich bei einem gemeinsamen Ausflug zum Brocken mit anschließender Wanderung in unseren jüngsten Ortsteil Schierke noch einmal mental auf die finale Wahlkampfwoche vor der Kommunal- und Europawahl am kommenden Sonntag eingestimmt, und zugleich die eigene Stadtratsarbeit der vergangenen Jahre Revue passieren lassen. Auf der Fahrt mit der Harzer Schmalspurbahn zur Brockenkuppe, im Rahmen der äußerst fachkundigen Führung von Dr. Gunter Karste durch den beeindruckenden Brockengarten sowie bei der anschließenden Wanderung nach Schierke wurde auch unseren brockenerfahrensten Fraktionsmitgliedern die Schönheit der Region noch einmal deutlich vor Augen geführt. Um die heiße Phase des Wahlkampfes – in der sicher hier im Blog, bei Facebook und Twitter, in der Leserbriefspalte der Harzer Volksstimme aber auch an vielen Wahlkampfständen und Abendbrottischen noch über Schierke und die gestrige Entscheidung des Stadtrats für den Bau der Schierke-Arena diskutiert werden wird – mit einem versöhnlichen Artikel einzuleiten, habe ich nachfolgend einige Schnappschüsse dieser Fahrt eingestellt und möchte darüber hinaus gerne einige persönliche Gedanken zur Schierker Ortsentwicklung mit den Leserinnen und Lesern unseres Blogs teilen.

HSB
Mit diesem Dampfzug der HSB ging es am Morgen zur Brockenkuppe.

In den nächsten Tagen wird sicher viel über die Stadtratsentscheidung zur Arena und – so muss man leider befürchten – auch darüber geredet werden, dass sich die Wernigeröder Kommunalpolitiker in zwei Gruppen aufteilen lassen: Diejenigen mit der Mut zur Vision und diejenigen, die Schierke am liebsten kleinhalten und in der Bedeutungslosigkeit verschwinden lassen möchten. Diese künstlich herbeigeführte Schwarz-Weiß-Aufteilung in „Schierke-Unterstützer“ und „Schierke-Schlechtmacher“ hatte Sabine Wetzel von den Grünen bereits vergangene Woche zu Recht im Schierke-Ausschuss kritisiert, geht es doch schließlich keinem der Kritiker oder Bedenkenträger – zu denen auch ich mich zähle – darum, sinnvolle und positive Entwicklungen für Schierke zu verhindern, von denen ultimativ ganz Wernigerode profitieren würde. Kein Stadtrat – egal welche politische Richtung er auch vertreten mag – kann irgendein Interesse daran haben, dass der Schierke-Tourismus stagniert. Was viele Kritiker dagegen umtreibt ist der Eindruck, dass ein bombastisches Eisstadion einen Schritt in die falsche Richtung bedeutet: Bei jährlich mehr als 250.000 Übernachtungen und rund 1,5 Millionen Tagesgästen in Schierke wird mit gerade einmal 8.000 Eisläufern und insgesamt nicht mehr als 15.000 Besuchern gerechnet, d.h. die Arena spricht gerade einmal 6% der Schierker Übernachtungsgäste und 1% der Tagesgäste an, verbraucht jedoch – wie Thomas Schatz (Linke) auf der letzten Sitzung des Finanzausschusses vorrechnete – fast 75% der in Schierke erwirtschafteten Kurtaxe.

Brockengarten
Dr. Gunter Karste vom Nationalpark Harz führte die CDU-Besuchergruppe durch den Brockengarten.

Dieses Missverhältnis stößt vielen Stadträten – und auch zahlreichen Bürgerinnen und Bürgern – sauer auf, ebenso wie der Umstand, dass sich die Stadt mit der Annahme der großzügigen Landesförderung verpflichtet, das Eisstadion mindestens 15 Jahre lang zu betreiben. Die gestrige Entscheidung wird also nicht nur den nächsten Stadtrat, sondern auch noch den übernächsten und sogar den auf diesen folgenden Stadtrat finanziell binden – und niemand weiß, ob Wernigerode in 10 Jahren noch immer über einen so soliden Haushalt wie heute verfügt. Denn auch wenn dies nicht der Fall sein sollte, so wird der Verlustausgleich für die Schierke-Arena in jedem Fall aufgebracht werden müssen – und dann vielleicht zu Lasten von anderen freiwilligen Ausgaben im Bildungs- und Kulturbereich, die sowohl den Bürgerinnen und Bürgern als auch der Kommunalpolitik ebenfalls am Herzen liegen.

Saxifragaceae
Der Brockengarten beherbergt mehr als 1.600 teils äußerst seltene alpine Pflanzenarten.

Nichtsdestotrotz ist gestern eine demokratische (wenngleich mit 21 zu 16 Stimmen erkennbar knappe) Entscheidung gefallen, die zu akzeptieren ist. Allen, die von dieser Entscheidung enttäuscht sind, empfehle ich eine pragmatische Herangehensweise: Auch wenn wir Kritiker die kleiner dimensionierte Natureis-Variante bevorzugt hätten, sollten wir im Sinne unserer Stadt nun trotzdem hoffen, dass sich die Schierke-Arena doch nicht zu dem von vielen befürchteten finanziellen Debakel entwickelt – denn auch das kann in niemandes Interesse liegen. Allen Stadträten, die für den Bau gestimmt haben, sollte man darüber hinaus den „benefit of the doubt“ zugestehen und ihnen nicht pauschal unterstellen, dem Haushalt schaden oder sich in Schierke ein Denkmal setzen zu wollen. Für manche Projektkritiker war es eine erschreckende und ehrverletzende Erfahrung, von einigen Befürwortern öffentlich als Verhinderer und visionslose Ignoranten hingestellt zu werden – nun dürfen wir nicht den Fehler machen, alle Befürworter ebenso pauschal anzugreifen. Viele Stadträte, mit denen ich mich in den letzten Wochen über das Projekt unterhalten habe, sind ernsthaft davon überzeugt, dass die Schierke-Arena für deutlich mehr Übernachtungen und mehr Tagesgäste am Brockenort sorgen wird (Dachtourismus) – und auch wenn ich dies für eher unwahrscheinlich halte, heißt es nun abwarten und auf das Beste hoffen.

Zu guter Letzt gilt: Sollte die Anlage wider Erwarten gut laufen, werden wir Kritiker dies in einigen Jahren neidlos anzuerkennen haben – sollte es dagegen doch zu größeren Defiziten und Problemen kommen, werden sich auch diejenigen, die dem Projekt zugestimmt haben, kritischen Fragen nicht verschließen können. Und darüber hinaus hat jeder mit der Entscheidung unzufriedene (aber auch zufriedene) Bürger am Sonntag ja die Möglichkeit, seine Kreuze entsprechend auf die vokalen Kritiker (oder Befürworter) zu verteilen…

Brockenwarte
Die Brockenwarte im Brocken-typischen Nebel.
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