Gutachten der Universität Oldenburg rät von Skientwicklung im Harz ab

Gepostet am Aktualisiert am

(von Christian Reinboth)

Durch den bereits seit 2009 bestehenden Forschungsverbund „KLIFF – Klimafolgenforschung in Niedersachsen“ wurde in der vergangenen Woche ein interessantes Gutachten zur Anpassung an den Klimawandel auf regionaler Ebene veröffentlicht, in dessen Rahmen auch einige Empfehlungen für die weitere Entwicklung der touristischen Infrastruktur im Harz gegeben werden. Die in diesem Gutachten getroffenen Aussagen beziehen sich natürlich auf die niedersächsische Seite des Harzes – man darf wohl aber getrost davon ausgehen, dass sie in großen Teilen auf den in Sachsen-Anhalt liegenden Teil des Mittelgebirges übertragen werden können. Erarbeitet wurde das Gutachten durch die Akademie für Raumforschung und Landesplanung des Leibniz-Forums für Naturwissenschaften an der Carl von Ossietzky-Universität Oldenburg. Die für den Harz entscheidenden Passagen werde ich nachfolgend ungekürzt und unverändert hier im Blog einstellen und hoffe, dass die hier gewonnenen Erkenntnisse auch in die weitere Diskussion um die mögliche Entwicklung einer künstlich beschneiten Skipiste am Schierker Winterberg Eingang finden werden.

Das Gutachten kann hier heruntergeladen werden. Nochfolgend wird aus den Seiten 154 bis 156 zitiert.

ARL
Titelseite des ARL-Berichts „Anpassung an den Klimawandel in der räumlichen Planung. Handlungsempfehlungen für die niedersächsische Planungspraxis auf Landes- und Regionalebene“, veröffentlicht im Juni 2014.

Auswirkungen auf den Wintertourismus im Bergland und Harz

Auf den Wintertourismus wird sich der Klimawandel aller Voraussicht nach eher negativ auswirken. Die Abnahme der Anzahl an Frosttagen und der Rückgang der jährlichen Schneefallmenge werden das Wintersportpotenzial für Skiabfahrt, Langlauf und Rodeln im niedersächsischen Bergland und im Harz langfristig reduzieren. Auch wenn es zwischendurch immer wieder schneereiche Winter gab und geben wird, ist bereits in den letzten Jahrzehnten eine Abnahme der Schneehöhen sowie der Schneedauer zu beobachten. Schon jetzt befindet sich der Harz in einem regendominierten Niederschlagsregime (De Jong 2013; Koesler 2011: 53).

Vorübergehend mag ein Rückgang an Schneetagen durch künstliche Beschneiung noch ausgeglichen werden können, längerfristig betrachtet dürfte dies jedoch in vielen Wintersportgebieten auch ökonomisch keine nachhaltige Anpassungsstrategie sein, von den negativen Umweltauswirkungen der Beschneiung und dem enormen Ressourcenverbrauch (Energie, Wasser) ganz abgesehen. Ein (subventionierter) Ausbau von Beschneiungsanlagen (Schneekanonen) wäre daher als Fehlanpassung an die klimawandelbedingte Abnahme der Schneesicherheit einzustufen und weder mit dem Ziel einer nachhaltigen Anpassung an den Klimawandel noch mit den Zielen des Klimaschutzes zu vereinbaren. Vielmehr würde dadurch ein zukunftsorientierter Umbau der Tourismusinfrastrukturen durch entsprechende Investitionen in anderweitige, schneelagenunabhängige Tourismuspotenziale verhindert und man würde dauerhafte, für andere Nutzungen vielfach nicht mehr sinnvolle Infrastrukturen schaffen (z. B. Speicher zur Wasserbevorratung für die Beschneiung) (De Jong 2013; Lützen 2012).

Anpassungsbedarf im Bergland und Harz

In Gebieten, in denen der Wintersport eine wirtschaftliche Bedeutung hat, muss wegen der zu erwartenden Abnahme der Schneemenge und Schneesicherheit bereits jetzt mit der Konzeption und dem Aufbau neuer, schneelagen-unabhängiger Tourismusangebote begonnen werden, die zunächst eine Ergänzung und mittel- bis langfristig eine Alternative zum Wintersport darstellen können (Nds. MU/RK Klimaschutz 2012: 110 f.). Eine denkbare Möglichkeit besteht darin, die attraktive Wanderumgebung mit ihrem Wegenetz als touristisches Hauptpotenzial weiterzuentwickeln (De Jong 2013). Für die Erlebbarkeit der Berglandschaften – insbesondere für Ausblicke in die Weite der Landschaften – sollten die forstlichen Maßnahmen verstärkt mit den Anforderungen der Wanderer abgestimmt werden. Zur verbesserten Auslastung touristischer Infrastrukturen über das ganze Jahr sollten diese möglichst multifunktional ausgerichtet sein (Beispiel: sommerliche Nutzung einer Skipiste als Mountainbike-Abfahrt).

Quellenangabe

Jan Spieckermann & Enke Franck (Hrsg.): Anpassung an den Klimawandel in der räumlichen Planung. Handlungsempfehlungen für die niedersächsische Planungspraxis auf Landes- und Regionalebene, erarbeitetet durch die Akademie für Raumforschung und Landesplanung des Leibniz-Forums für Naturwissenschaften an der Carl von Ossietzky-Universität Oldenburg im Auftrag des Niedersächsischen Ministeriums für Wissenschaft und Kultur, Hannover, 2014, ISBN 978-3-88838-392-2.

Im Textauszug referenzierte Quellen

De Jong, C. (2013): Touristische Schwerpunkte im Harz. Infrastrukturantrag der Stadt Wernigerode – Projekt Schierke: Stellungnahme Frau Prof. Carmen de Jong vom 15.02.2013 für den Landtag von Sachsen-Anhalt, Ausschuss für Wissenschaft und Wirtschaft.

Koesler, B. R. (2011): Klimawandel und Bewusstseinsbildung. Zur Berücksichtigung der Klimaanpassung in den Tourismusregionen des Schwarzwalds und Nordhessens. Kassel.

Lützen, K. (2012): Wirkungszusammenhänge in Handlungsbereichen der räumlichen Planung. In: Birkmann, J.; Schanze, J.; Müller, P.; Stock, M. (Hrsg.): Anpassung an den Klimawandel durch räumliche Planung – Grundlagen, Strategien, Instrumente. Hannover, 28-65. E-Paper der ARL 13.

Nds. MU / RK Klimaschutz – Niedersächsisches Ministerium für Umwelt, Energie und Klimaschutz; Regierungskommission Klimaschutz (Hrsg.) (2012): Empfehlung für eine niedersächsische Strategie zur Anpassung an die Folgen des Klimawandels. Hannover.

Kaffeehorst
Fehlgeschlagener Beschneiungsversuch am Wurmberg im Dezember 2013 (Foto: Christian Reinboth).
Kunstschnee
Fehlgeschlagener Beschneiungsversuch am Wurmberg im Dezember 2013 (Foto: Christian Reinboth).
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