Wer in Wernigerode kandidiert: Frauenanteile und Altersspannen

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(von Christian Reinboth)

Nachdem der Wahlausschuss der Stadt Wernigerode nun bereits vor einigen Wochen über die Zulassung der Kandidatinnen und Kandidaten zur im Mai anstehenden Stadtratswahl entschieden hat, möchte ich heute einmal einen Blick auf die Statistik hinter den Listen der sieben zur Wahl stehenden Parteien werfen. Wie beim Grünen-Blogger Till Westermayer, der sich hier, hier und hier recht intensiv mit den Freiburger Kommunalwahlkandidaten auseinandergesetzt hat, bietet dieser Blick sicher genügend Stoff für mehrere Blogartikel, weshalb ich mich heute zunächst auf eine rein explorative Betrachtung beschränken möchte.

Insgesamt hat der Wahlausschuss genau 87 Kandidatinnen und Kandidaten auf die 41 Mandate unseres Stadtrates zugelassen, von denen 27 für die CDU, 20 für die SPD, 18 für die Linke, 7 für Bündnis90/Grüne, 9 für Haus & Grund sowie jeweils 3 für FDP und die Piratenpartei antreten, die als Newcomer diesmal erstmalig auf dem Wahlzettel stehen. Die anderen sechs Parteien sind derzeit bereits mit 39 von 41 Sitzen im Stadtrat vertreten (die momentane Sitzverteilung ist der nachfolgenden Tabelle zu entnehmen), die aktuell ebenfalls mit einem Mandat vertretene NPD hat für die anstehende Wahl erfreulicherweise keine Kandidaten gemeldet und scheidet somit aus dem nächsten Stadtrat aus. Die Tabelle gibt neben der Anzahl der Kandidatinnen und Kandidaten pro Partei sowie der aktuellen Sitzverteilung Auskunft über den Anteil an weiblichen Kandidatinnen auf den Parteilisten, das Durchschnittsalter der Kandidatinnen und Kandidaten, die Altersspanne der Listen sowie die Akademikerquote, wobei letztere aufgrund des Interpretationsspielraums bei den angegebenen Berufsbezeichnungen mit einer gewissen Unsicherheit behaftet ist.

Partei Kandidaten Frauenanteil Durchschnittsalter Altersspanne Akademikeranteil Sitze
CDU 27 25,9% 47,9 Jahre 23 – 73 Jahre 37,0 % 14
SPD 20 20,0% 54,0 Jahre 25 – 73 Jahre 60,0 % 13
Linke 18 38,9% 53,2 Jahre 26 – 76 Jahre 50,0% 8
Grüne 7 42,9% 48,7 Jahre 36 – 69 Jahre 57,1% 1
FDP 3 0,0% 35,0 Jahre 25 – 47 Jahre 0,0% 1
HuG 9 22,2% 56,8 Jahre 39 – 80 Jahre 55,6% 2
Piraten 3 0,0% 35,7 Jahre 23 – 55 Jahre 0,0% 0
Gesamt 87 26,4% 50,5 Jahre 23 – 80 Jahre 46,0% 39

Bei der Betrachtung der Zahlen fällt zunächst einmal auf, dass der Frauenanteil über alle Parteilisten hinweg deutlich unter den 50% liegt, die im politischen Raum vielfach angestrebt werden. Insgesamt sind 26,4% aller Listenkandidaten weiblich, wobei die CDU mit einem Frauenanteil von 25,9% nur noch von den Linken mit 38,9% und den Grünen mit 42,9% überboten wird, während sich sowohl für die FDP als auch für die Piratenpartei gar keine Kandidatinnen zur Wahl stellen. Dafür dass der CDU häufig – fälschlicherweise – nachgesagt wird, sie werde von Männern gehobenen Alters dominiert, heben sich sowohl unser Anteil an Kandidatinnen als auch das Durchschnittsalter unserer Wahlliste klar positiv von einigen unserer politischen Wettbewerber ab: Mit einem Altersdurchschnitt von 47,9 Jahren stellt die CDU dank zahlreicher JU-Kandidaten sogar die drittjüngste Liste, die nur noch von FDP und Piraten – mit allerdings jeweils nur drei Kandidaten – unterboten wird. Die Altersmediane liegen übrigens so dicht an den hier aufgeführten arithmetischen Mitteln, dass ich auf eine separate Ausweisung beider Mittelwerte verzichtet habe. Die Altersspannen lassen erahnen, dass es in diesem Jahr wirklich parteiübergreifend gelungen ist, Kandidatinnen und Kandidaten aller Altersgruppen für den Wahlkampf zu motivieren, wobei sich natürlich die spannende Frage stellt, inwiefern wohl die Wählerinnen und Wähler diese breite Basis am Wahltag durch ihre Stimmverteilung wieder verkleinern werden.

Geschlecht
Absolute Verteilung der Geschlechter über die sieben zugelassenen Wahlvorschlagslisten.

 

In der Tabelle findet sich darüber hinaus die Akademikerquote, d.h. der Anteil an Kandidatinnen und Kandidaten, die eine akademische Ausbildung durchlaufen haben. Die Angabe steht beispielhaft für eine ganze Reihe von möglichen Verteilungen – z.B. die Anteile von selbständig/abhängig Beschäftigten, die Anteile von Berufstätigen/Rentnern oder eine Aufteilung nach Berufsgruppen – die aus den vorhandenen Daten (bei den bereits erwähnten Ungenauigkeiten) noch extrahiert werden könnten. Etwaige Wünsche und Anregungen für weitere Auswertungen werden – analog zu diesem Versuch einer Crowdsourcing-Statistik aus 2011 – in den Kommentaren natürlich gerne entgegengenommen. Die der gelegentlichen Arbeiterrhetorik zum Trotz starke bürgerliche Prägung sowohl der hiesigen SPD als auch der hiesigen Linken zeigt sich in der hier aufgeführten Quote übrigens bereits recht deutlich.

In diesem Sinne ist die Vorschlagsrunde eröffnet: Welche Kandidatenstatistik(en) würdet ihr hier gerne lesen?

Akademiker
Absolute Verteilung von Akademiker/inenn über die sieben zugelassenen Wahlvorschlagslisten.

Die NPD gibt Wernigerode auf – keine Kandidaturen zur Stadtratswahl

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(von Christian Reinboth)

Am 02.04.2014 hat der Wahlausschuss der Stadt Wernigerode die fristgerecht bis zum 31.03.2014 eingereichten Wahlvorschläge geprüft und insgesamt 87 Kandidatinnen und Kandidaten aus sieben Parteien zur Kommunalwahl am 25.05.2014 zugelassen. Während die CDU mit insgesamt 27 Kandidatinnen und Kandidaten in den Wahlkampf startet, haben die SPD 20, die Linke 18, die Bündnis90/Grünen 7, die FDP 3, Haus & Grund 9 und die Piratenpartei 3 Kandidatinnen bzw. Kandidaten nominiert. Mit den Piraten wird in diesem Jahr damit eine Partei antreten, die zur letzten Kommunalwahl im Jahr 2009 noch nicht auf dem Wahlzettel stand – im Sinne der das Geschäft der Ideen belebenden Konkurrenz eine durchaus positive Entwicklung. Noch erfreulicher ist da nur der Umstand, dass weder NPD noch MLPD oder AfD überhaupt Wahlvorschläge eingereicht haben und demzufolge auch nicht am nächsten Stadtrat beteiligt sein können. Die rechtsextreme NPD verzichtet also auf eine Verteidigung des 2009 mit 2,7% bzw. 962 Wählerstimmen knapp errungenen Stadtratsmandats und zieht sich – diesmal hoffentlich endgültig – aus der Wernigeröder Kommunalpolitik zurück.

 

Über die Gründe für diesen Rückzug kann natürlich nur spekuliert werden, einschlägige NPD-Watchblogs lassen aber durchblicken, dass der Landesverband der Partei sich seit der krachenden Wahlniederlage zur Landtagswahl 2011 sowohl in einem finanziellen als auch in einem organisatorischen Sinkflug befindet und wohl schlicht nicht mehr über die erforderlichen Strukturen für einen effektiven Wahlkampf verfügt. Zur parallel zur Stadtratswahl stattfindenden Wahl des Kreistages wurden allerdings leider noch einmal einige NPD-Kandidaten nominiert, wobei jedoch auch hier erfreulicherweise kein Wernigeröder mehr vertreten ist – in den beiden Wernigeröder Kreiswahlbezirken treten statt dessen eine Kandidatin aus Halberstadt und ein Kandidat aus der Stadt Oberharz am Brocken an. Nun liegt es an den Wählerinnen und Wählern im Landkreis, der NPD am 25.05. möglichst auch noch eines der – oder idealerweise gleich beide – Kreistagsmandate zu versagen.

Das Ausscheiden der NPD aus dem Wernigeröder Stadtrat ist – diese persönliche Anmerkung sei mir an dieser Stelle gestattet, da ich mich über deren demonstrative Mandatsmissachtung der vergangenen fünf Jahre oftmals geärgert habe – allerdings nicht nur deshalb erfreulich, weil damit eine Partei mit fremdenfeindlichen Charakter nicht mehr in unserem Kommunalparlament vertreten ist. Sie ist auch zu begrüßen, weil – und das hat die laufende Wahlperiode überdeutlich gezeigt – jedes Mandat für die NPD ein für alle Bürgerinnen und Bürger – letztlich sogar einschließlich der Protestwählerschaft – vollkommen verlorenes Mandat ist. In Wernigerode werden knapp 34.000 Einwohnerinnen und Einwohner von gerade einmal 41 Kommunalpolitikern vertreten, was im Schnitt bedeutet, dass jeder Stadtrat stellvertretend für rund 830 Bürger an den Ratssitzungen teilnimmt. Bei diesem Vertretungsverhältnis ist jedes dauerhaft nicht wahrgenommene Mandat eine nicht zu entschuldigende Verschwendung. Wer – wie eben der Vertreter der NPD in der aktuellen Wahlperiode – an so gut wie keiner nichtöffentlichen Ratssitzung und an keiner Ausschusssitzung teilnimmt, die öffentlichen Ratssitzungen nur äußerst selten und ausschließlich zu Zwecken der Selbstdarstellung aufsucht und ansonsten maximal noch durch die Anzahl der ausgesprochenen Rügen auffällt, missachtet sein Mandat und damit auch alle Wählerinnen und Wähler, die ihm zu selbigem verholfen haben.

Dass die NPD nach dieser absoluten Nullbilanz nun freiwillig nicht mehr antritt, ist im Grunde nur folgerichtig.